Belegschaft und Geschäftserfolg  •  Artikel  •  7 Min.

Mitarbeitertransformation im Zeitalter der Intensivierung

KI ist allgegenwärtig. Im Arbeitsalltag stehen Geschwindigkeit und Effizienz mehr denn je im Fokus. Technologie hat die traditionelle Art und Weise, wie Menschen lernen, überholt. Teams und Budgets für die Mitarbeiterentwicklung schrumpfen. Die Forderung, „mehr“ zu erreichen, ist jedoch ungebrochen. Mehr Ergebnisse. Mehr Produktivität. Mehr ROI. Und das am besten sofort.

Mit dem Vormarsch von KI-Tools werden immer höhere Erwartungen gestellt. Wer soll da noch Schritt halten können? Alles konzentriert sich auf die Implementierung der Tools; die Unterstützung der Menschen, die sie einsetzen sollen, findet dagegen deutlich weniger Beachtung.

Dieser paradoxen Realität sehen sich HR-, Lern- und Tech-Führungskräfte derzeit ausgesetzt. Für das Unternehmen gilt es, den ROI der eigenen KI-Investitionen nachzuweisen. Dessen Ausbleiben ist jedoch kein Technologieproblem, sondern eine Lücke in der menschlichen Bereitschaft.

Als Degreed-CEO David Blake auf der LENS 2026 die Bühne betrat, gab er dieser neuen Ära der hochgradig anspruchsvollen Arbeit einen Namen: Das Zeitalter der Intensivierung.

Arbeit, Lernen und Talententwicklung müssen sich in diesem neuen Zeitalter verändern. Auf der LENS kamen führende Köpfe der Branche mit Kund:innen und Führungskräften von Degreed zusammen, um diese Veränderungen genauer zu betrachten und Ansätze dafür zu untersuchen, sich darauf einzustellen. Auf einige der Highlights gehen wir im Folgenden ein.

Menschlicher Erfolg ist auch im Zeitalter der Intensivierung weiterhin möglich

Die Welt wird immer kompakter, das Tempo der Veränderungen nimmt zu. Die Arbeitsbelastung des Menschen hat durch KI jedoch nicht abgenommen. Sie hat die Grenzen des Möglichen erweitert und das Grundniveau (und die Messlatte) für Leistung erhöht. 

Von Menschen wird erwartet, in derselben Zeit mehr zu leisten. Menschen müssen lernen, KI zu nutzen – und zwar kompetent. Und all dies, ohne sich zu stark von der Technologie abhängig zu machen. Das ist gleichermaßen anspruchsvoll wie intensiv.

Dennoch sind KI-Tools allein durch ihre Verfügbarkeit nicht automatisch nützlich. Erst dadurch, dass diese Tools von Menschen aufgewertet und in Prozesse eingebettet werden, kann echter ROI entstehen. Angesichts der gewaltigen Investitionen, die in KI geflossen sind, verlangen Führungsteams, messbare Rendite damit zu generieren. 

„Ihre CEOs erwarten Rendite. Und dieser Druck und dieses Mandat kommen auf Sie zu“, so Blake.

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Transformation ist keine Option. Die einzige Frage ist, ob sie sich gezielt und effektiv vollzieht. Technologie allein kann das jedoch nicht leisten. Oft ist die Technologie vorhanden, aber die Rendite bleibt aus. IBM zufolge erzielen nur 25 % der KI-Initiativen den erwarteten ROI.

Prägend für dieses Zeitalter der Intensivierung ist zudem die anhaltende Sorge, dass KI menschliche Arbeit verdrängen wird. Dem setzte die LENS jedoch eine differenzierte Botschaft entgegen: KI kann menschliche Arbeit nicht ersetzen – und war auch nie dafür gedacht. Laut Sol Rashidi, dem weltweit ersten Chief AI Officer, hat KI zum Ziel, „die großartigen Dinge, die wir in die Arbeitswelt bringen, zu erleichtern, zu beschleunigen und zu verstärken.“

Angesichts der Fähigkeiten von KI mag man leicht in Schwärmerei verfallen. Was ihr aber fehlt, ist kritische Logik, Innovationskraft, Führungskompetenz und Urteilsvermögen. KI-Tools sind für alle zugänglich, doch nur Ihr Unternehmen verfügt über die Belegschaft und die Skills, die es einzigartig machen. Menschen und Skills definieren Ihr Unternehmen.

Oder wie Rashidi den Teilnehmenden der LENS in Erinnerung rief: „Technologie ist großartig. Aber nicht so großartig wie wir selbst – das sollten wir nie vergessen.“

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Lernen muss so dynamisch werden wie der Wandel

Vor dem Hintergrund eines kontinuierlichen Wandels genügt es nicht, Weiterentwicklung nur etappenweise zu gestalten. Statische Lerninhalte können keiner Welt gerecht werden, in der alles reaktionsfähig und personalisiert ist.

Wie ein KI-natives Modell zur Personalentwicklung aussehen könnte, beschrieb Taylor Blake im Rahmen einer der Sessions der Degreed KI-Labore: „Das KI-native Modell, wie ich es mir vorstelle, sieht in etwa so aus: Lernerlebnisse werden stärker entsprechend der jeweiligen Aufgabe spezialisiert – individueller zugeschnitten auf die jeweilige Person, besser abgestimmt auf die jeweilige Situation.“

Das gleiche Prinzip gilt ganz unmittelbar für die Erstellung und Bereitstellung von Lerninhalten. Wie aus einem Bericht der Financial Times hervorgeht, verstreichen bis zur Einführung traditioneller Lernprogramme mitunter drei bis sechs Monate – ein Zeitraum, innerhalb dessen sich KI jedoch komplett verändern kann. So meisterhaft Lernteams auch darin sein mögen, Inhalte nach herkömmlichen Methoden zu erstellen und zu kuratieren, erfordert dieses neue Zeitalter dennoch etwas Dynamischeres: ein Produkt-Mindset, das von schneller Einführung und regelmäßigen Anpassungen geprägt ist. 

Lernen als einmaliges, jährlich ausgerolltes Programm reicht schlicht nicht mehr aus. 

„Unsere Herangehensweise besteht darin, etwas auszuprobieren und je nach den gewonnenen Erkenntnissen kontinuierlich zu verbessern“, erklärte Zoe Botterill, Head of Learning and Development bei Pearson, zum Ansatz ihres Unternehmens.

Effizienz allein ist nicht genug

Bei steigendem Druck gehen die meisten Organisationen nach dem Prinzip „viel hilft viel“ vor: mehr Programme, mehr Tools, mehr Initiativen. So stellte etwa McKinsey fest, dass Mitarbeitende heute mit fünfmal mehr Veränderungsprogrammen konfrontiert sind als noch vor einem Jahrzehnt. Tatsächlich geht vom Konzept bis zur Umsetzung solcher Initiativen aber 59 % von deren Wert verloren. Dies dürfte auch einer der Gründe sein, weshalb 89 % der Führungskräfte nach grundlegend anderen Lösungen zur Mitarbeiterentwicklung suchen. Sie verstehen, dass an diesem Punkt der Wert von KI-Investitionen entweder realisiert wird oder verloren geht.

„Wenn der Druck steigt, reagieren die meisten Organisationen, indem sie etwas aufstocken. Damit Sie als Team wirklich performen, sollten Sie diesen Ansatz infrage stellen: Halten Sie stattdessen inne und überlegen Sie, wie Sie Dinge vereinfachen können. Nehmen Sie dabei die Fähigkeiten, die Skills und die Arbeitsabläufe in den Blick“, so die Empfehlung von Jennifer Sutherland, Global Head of Learning Enablement bei ZS.

Ein Mehr an etwas bedeutet nicht per se, dass es besser ist. Tatsächlich ist es mitunter sogar schädlich. Letzten Endes, so erklärte es Rashidi den Teilnehmenden der LENS, gehe es nicht um mehr Produktivität, sondern um mehr Effektivität: „Wir müssen unseren Unternehmen dazu verhelfen, sich nicht zu sehr auf Produktivität und Effizienz zu versteifen. Denn das sind nur Maßzahlen für das ‚Mehr‘. Was aber, wenn wir ‚mehr‘ von den falschen Dingen tun?“

Entgegen der Erwartung vieler Führungskräfte bringt Effizienz um der Effizienz willen eben nicht immer nur Vorteile. In einigen Bereichen kann sie die Gesamtstrategie sogar schwächen.

„Effizienz macht Ihre Belegschaft nicht stärker“, so Blake. „Überlegen Sie sich dazu einfach Folgendes: Wenn Sie eine Aufgabe automatisieren können, haben Sie das wahrscheinlich längst getan.“

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Der Schlüssel liegt in einer sicheren Umgebung zum Experimentieren und Üben

Ein weiterer entscheidender Aspekt für Agilität liegt in der Neugier und dem Mut zum Experimentieren. Umso wichtiger ist dies angesichts des anhaltenden Tempos, mit dem sich Technologie weiterentwickelt.

„Fehlschläge müssen erlaubt sein. Erst so lernt man seine Lektionen, um letztlich den wahren Goldschatz zu heben“, betonte Antonia Jackson, Learning and Technology Partner bei HubSpot.

Zum Experimentieren gehört auch, Systeme und Tools auf Herz und Nieren zu prüfen. Mit Blick auf neue Technologie, sind laut Carlo José, Global Head of Learning and Development bei GSK, Pilotprojekte der perfekte Zeitpunkt, um das System auf den Prüfstand zu stellen.

„Indem wir Probleme bereits in der Testphase zutage fördern, finden wir heraus, wo wir mit Weiterentwicklungen ansetzen müssen“, so José.

Dasselbe Prinzip gilt auch für das Lernen selbst. Neue KI-Tools wie Degreed Maestro ermöglichen es Benutzer:innen nicht nur, zu üben und Feedback zu erhalten. Sie können mit ihnen auch Fehlschläge erleben, wenn sie Skills rund um Präsentationen, Sales-Pitches oder geschäftskritischen Gesprächen erlernen – und zwar ohne dabei beurteilt zu werden.

So brachte etwa TEKSystems Maestro zum Einsatz, um seinen Vertriebsteams schnell und in großem Umfang personalisierte Übungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. Auf welche Resonanz das stieß, zeigen die folgenden Aussagen: 

„Ihr Selbstvertrauen wurde größer“, so Stefanie Kuehn, Senior Program Manager Organizational Development bei TEKSystems. „Sie erhielten eine sichere Umgebung, in der sie Rollenspiele machen konnten, ohne dass ihnen Vorgesetzte oder Mentor:innen über die Schulter schauten. Und sie konnten die Maestro-Erfahrungen mehrfach wiederholen, bis sie sich sicher genug fühlten, um in ein wichtiges Gespräch zu gehen oder ihre Fähigkeiten zu testen.“

Die Zukunft wird durch menschliche Bereitschaft bestimmt

Die zentrale Erkenntnis, die immer wieder zur Sprache kam, lautet: Für die KI-Transformation reicht Technologie allein nicht aus. Auch wenn man noch so viele KI-Tools hat – sie werden keinen ROI liefern, wenn die Belegschaft nicht für sie bereit ist.

„Es geht um Menschen und darum, wie Menschen Technologie für das Unternehmen nutzen“, brachte es Ingrid Urman, Global L&D Director bei Tenaris, auf den Punkt.

KI liefert Unternehmen nicht den erwarteten ROI, weil sie nur in die entsprechenden Tools investiert haben, jedoch nicht in das dafür nötige Upskilling der Mitarbeitenden. Wenn im Zeitalter der Intensivierung von Menschen erwartet wird, mehr Arbeit in derselben Zeit zu leisten, müssen sie auch in die Lage versetzt werden, diese Tools kompetent und effektiv zu nutzen. 

Hierin liegt die eigentliche Aufgabe der Transformation: dem Aufbau menschlicher Fähigkeiten, die mit den technologischen Ambitionen Schritt halten.

Die Einblicke, die auf der LENS gewonnen wurden, sind Indikator für das, was die Zukunft bringen wird. Bei all dem dürfen wir jedoch unsere Rolle als Menschen bei der Gestaltung dieser Zukunft nicht vergessen. 

„Finden Sie heraus, wo Sie einen Vorsprung haben“, so Rashidi. „Bleiben Sie kreativ. Stellen Sie Bezüge her, die Maschinen nicht erkennen können. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Organisation. Das ist Ihre moralische Verpflichtung.“ 

Die Entwicklungsdynamik von Technologie wird sich weiter beschleunigen. Und die Erwartungen werden weiter steigen. Die menschliche Transformation entscheidet darüber, ob Unternehmen am Zug bleiben oder zurückfallen.

Noch eingehender beleuchten wir die Produktankündigungen und -updates, die auf der LENS vorgestellt wurden, in unserer sechsteiligen Webinar-Reihe „Degreed in Aktion“. Informationen zu Produktankündigungen finden Sie außerdem in der zugehörigen Pressemitteilung.

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