Betriebliche Weiterbildung  •  Artikel  •  4 Min.

Personalisierte Schulungen für Einsteiger: innen: Ihr Leitfaden für KI-gestütztes Lernen

Teil eins der dreiteiligen Reihe.

Halten Sie Ihren Notizblock bereit – oder klappen Sie den Laptop auf –, denn jetzt wird auf höchstem Niveau gelernt. Nicht über die Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften. Auch nicht über die Geschichte der westlichen Zivilisation. Etwas Geschichte gibt es dann aber doch. Nämlich dazu, wie sich Corporate Learning in den letzten zehn Jahren stärker verändert hat als in der gesamten Zeit davor – und warum sich die Lerninhalte nun ganz anders präsentieren als in der Vergangenheit.

Corporate Learning ist in diesem Jahrzehnt von Veränderungen geprägt, die tiefgreifender sind als alles, was der Bereich in den vorangehenden Jahrzehnten erlebt hat. Und das Tempo der Veränderungen beschleunigt sich täglich. Bis vor ein paar Monaten verstand man unter „Personalisierung“ von Schulungen noch oberflächliche Empfehlungen eines Algorithmus, der Kurse je nach Abteilung oder Stellenbezeichnung vorschlug. Das war zwar hilfreich, aber oft sehr allgemein gehalten.

Doch dank KI ist Personalisierung endlich in einer Weise möglich, die ihrem Versprechen gerecht wird. Moderne Plattformen mit integriertem KI-Modell sind in der Lage, sämtliche Lernenden individuell zu verstehen – ihre aktuellen Skills, ihre Karriereziele, ja sogar ihren bevorzugten Lernmethoden – und sich in Echtzeit an die Entwicklung dieser Anforderungen anzupassen. Das bedeutet jedoch nicht, Mitarbeitenden einfach nur Inhalte zuzuweisen, die zu ihnen passen. Vielmehr entstehen dabei individuelle, adaptive Lernreisen, die sich gemeinsam mit ihnen weiterentwickeln.

Lassen Sie uns in die erste Lektion eintauchen.

Lektion 1: KI-gestützte Personalisierung ist effizienter.

Der Wandel ist nicht nur theoretischer Natur, sondern verändert bereits jetzt die Geschäftswelt. Unternehmen, die KI-gestützte Lernplattformen einsetzen, melden eine Steigerung der Schulungseffizienz von 57 %. Die Mitarbeitenden schließen Kurse schneller ab, behalten mehr Wissen und wenden es effektiver in ihrer Arbeit an.

Personalisierte Schulungen beschleunigen die KI-Transformation und die Erfüllung von Compliance-Anforderungen, tragen zur Veränderung von Verhaltensmustern bei und ermöglichen die Entwicklung von Führungskompetenzen in Rekordzeit. Für Führungskräfte ist dies eine einmalige Chance. Lernen ist nicht mehr nur ein „Nice-to-have“, sondern ein entscheidender Schlüssel für Leistung, Agilität und Mitarbeiterbindung im Zeitalter der KI. 

KI-gestützte Lernerfahrungen, die den jeweiligen Skillkontext berücksichtigen und direktes Feedback liefern, können auf Abruf in Echtzeit kuratiert werden – eine Entlastung für Führungskräfte und Admins, während die Mitarbeitenden lernen können, wann immer sie es benötigen und Zeit dafür haben.

Lektion 2: Die neue Art der Personalisierung unterscheidet sich grundlegend von der alten.

Der nachfolgende Vergleich zeigt, wie KI klassische Ansätze personalisierten Lernens neu definiert:

Personalisiertes Lernen nach klassischer MethodikPersonalisiertes Lernen gestützt auf KI
Basierend auf statischen Daten wie Rolle, Titel oder AbteilungBasierend auf dynamischen Echtzeitdaten, einschließlich Skills, Zielen, Leistung und Kontext
Allgemeine Kursempfehlungen mit begrenzten AktualisierungenAdaptive Empfehlungen, die sich je nach Rollen, Projekten und Geschäftsanforderungen weiterentwickeln
Einheitliche LernpfadeMaßgeschneiderte und entwicklungsfähige Lernpfade
Fokus auf die Bereitstellung von InhaltenFokus auf Kompetenzaufbau durch Feedback, praktische Übung und Coaching
Anpassung der Schulungsprogramme in bestimmten AbständenAnpassung in Echtzeit an die Bedürfnisse der Lernenden
Schwerpunkt hauptsächlich auf formellen SchulungenKombiniert formelles Lernen, informellen Wissensaustausch und Praxiserfahrung
Begrenzte Unterstützung und NachverfolgungBietet Anleitung wie ein persönlicher Coach, mit messbaren Ergebnissen

KI hat inzwischen in nahezu allen Unternehmensbereichen Einzug gehalten: In einer Untersuchung von McKinsey gaben 78 % der Unternehmen an, KI in mindestens einem ihrer Geschäftsprozesse einzusetzen. Schulungen und Mitarbeiterentwicklung sollten hierbei nicht die Ausnahme bilden. Dies gilt umso mehr, da diese Art des Lernens entscheidend dafür sein wird, die Belegschaft fit für KI zu machen.

Lektion 3: KI lässt sich in zahlreiche Aspekte der Lernstrategie integrieren.

Für diese Lektion haben wir Stephen Elrod hinzugezogen, unseren Experten für Lernstrategien und Senior Vice President of Global Delivery. Laut Stephen stellt sich nicht mehr die Frage, ob KI für das Lernen eingesetzt werden sollte, sondern wie. Konkrete Ansatzpunkte hierfür bieten diese Best Practices, mit denen Sie noch heute beginnen können:

  1. Lerntechnologie-Stack auf den Prüfstand stellen: Investieren Sie in Plattformen, die über die Bereitstellung von Inhalten hinausgehen. Statt lediglich Informationen auszutauschen, sollten die Systeme Ihrer Wahl in der Lage sein, den Aufbau von Kompetenz gleichermaßen an individuelle wie branchenspezifische Anforderungen anzupassen.
  2. Pilotprojekt für KI-gestützte Lernpfade durchführen: Beginnen Sie mit einem bestimmten Skillbereich (z. B. Compliance, Führung oder digitale Skills), den Sie mit einer kleinen Gruppe testen.
  3. Lernen in Arbeitsabläufe integrieren: Ergänzen sie Ressourcen für Mikrolernen in Bereiche, in denen die Mitarbeitenden in ihrem Tagesgeschäft tätig sind.
  4. KI-Kompetenz fördern: Organisieren Sie einen kurzen Workshop, um das Verständnis der Mitarbeitenden für KI-gestütztes Lernen zu verbessern.
  5. Vertrauensbasis schaffen: Legen Sie Richtlinien für Datenthemen und ethische Fragen fest, die Mitarbeitenden klar vermitteln, wie ihre Informationen genutzt werden.
  6. Unterstützung der Führungsebene sichern: Erarbeiten Sie einen Business Case (z. B. verbesserte Mitarbeiterbindung oder geringere Schulungskosten) zur Vorlage bei den Verantwortlichen, um deren Akzeptanz zu gewinnen. 

Lektion 4: KI kann der neue Coach der Belegschaft sein – rund um die Uhr.

KI ist kein Ersatz für menschliches Lernen, sondern eine Bereicherung. Sie ist für sämtliche Mitarbeitenden wie ein persönlicher Coach, der zeitnahe, relevante und umsetzbare Karrierechancen aufzeigt. Außerdem unterstützt KI Organisationen dabei, dieses Maß an Personalisierung auf die gesamte Belegschaft auszuweiten.

Umsetzbar ist diese Echtzeit-Anleitung beispielsweise über einen Coach für die Weiterbildung von Führungskräften oder sogar in Form eines dialogorientierten Rollenspiels, das sofortiges Feedback liefert. Auf dieser Grundlage können Mitarbeitende die Lernerfahrungen beliebig oft wiederholen – stets individuell auf sie zugeschnitten und so lange, bis sie sich sicher fühlen. Durch diese Reaktionsfähigkeit wird die jeweilige Situation in einer Weise berücksichtigt, wie sie beim Lernen bislang unmöglich war.

Der Kernpunkt: Dank KI ist personalisiertes Lernen keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. Unternehmen, die KI gezielt einsetzen, werden mit dem Wandel nicht nur Schritt halten, sondern ihn aktiv mitgestalten.

Hausaufgaben für L&D-Verantwortliche

Gute Lektionen zeichnen sich immer durch einen Moment der Reflexion aus.

  1. Wählen Sie einen Skillbereich mit hoher Priorität in Ihrer Organisation aus (z. B. Führung, Compliance oder digitale Skills).
  2. Erstellen Sie eine Übersicht darüber, wie Mitarbeitende derzeit in diesem Bereich geschult werden, z. B. welche Tools, Inhalte und Methoden zum Einsatz kommen.
  3. Identifizieren Sie mindestens zwei lückenhafte Bereiche, in denen Personalisierung die Ergebnisse verbessern könnte (z. B. Anpassung an die jeweilige Rolle, Hinzufügen von Feedback in Echtzeit oder Integration in die Workflows).
  4. Skizzieren Sie einen einseitigen Plan, wie KI diese Lücken schließen könnte.

Besprechen Sie dies bei Ihrem nächsten Team-Meeting und präsentieren Sie eine Idee, die Sie in den nächsten 90 Tagen umsetzen könnten.

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